Ein Becher Kacka. Oder: Ein persönliches PostScriptum zu meinem Hebammen-Hilferuf von heute. Und zwei Arschlöcher.

Donnerstag, November 24, 2016

Dieser Post wird Kraftausdrücke enthalten. Ich versuche sie in Grenzen zu halten, aber manche Dinge (und Personen) muss ich mal bei ihrem Namen nennen.

Es folgt: Ein Tag im Leben einer schwangeren Mama-Bloggerin. Ich schreibe das jetzt einfach runter... Manche Dinge müssen so raus, wie das Leben sie einem zum Fraß vorwirft.


Dieser Tag begann wie immer. Mein Sohn wollte nicht in den Kindergarten und spuckte irgendwann vor lauter Wut auf den Fußboden (ok, das hat er heute zum ersten und hoffentlich letzten Mal gemacht). Dass der Rest des Tages sich für mich so anfühlen sollte wie dieser Tropfen Speichel auf dem Boden, ahnte ich zu diesem Zeitpunkt nicht.

Kurze Vorgeschichte
Ich hatte direkt morgens einen Vorsorge-Termin beim Frauenarzt. Die letzte Vorsorge hatte ich im Geburtshaus machen lassen, wo ich dann im Februar entbinden will. Ähnlich wie bei meiner letzten Schwangerschaft lasse ich mich abwechselnd von den Hebammen im Geburtshaus und meinem Arzt betreuen, der den medizinisch notwendigen Part wie Ultraschalle und Spritzen (ich bin Rhesus-negativ und bekomme daher eine Spritze - heute - und nach der Geburt) übernimmt.

Soweit, so gut. Es lief bis zum Arzt eigentlich alles gut ab - trotz der Bockphase meines Sohnes haben wir alles pünktlich und mit wenig Nervenverlust in den Kindergarten geschafft, die Kleine war gut drauf beim Arzt, und ich habe via Smartphone im Wartezimmer meinen heutigen Blogpost "Über Hebammen und Geburtshilfe" online gestellt. Geschrieben hatte ich ihn schon vor einiger Zeit - es war irgendwie reiner Zufall, dass der heute online ging.

Arschloch Nr. 1
Ich sitze also müde, aber gut gelaunt im Wartezimmer, wo ich die obligatorische Wartestunde hauptsächlich mit Marla irgendwelche Steckspiele mache, oder, wenn sie gerade allein beschäftigt ist, meinen Blogpost in den sozialen Netzwerken verlinke.

Und dann meldet sich das erste Arschloch des Tages: Ein Perverser! Getarnt mit weiblichen Namen zieht derjenige durch ein social network bewusst durch Schwangeren- und Geburtsgruppen um sich an Kugelbäuchen aufzugeilen.
Bis ich das realisiert hatte, dass mich da gerade wer echt anmacht (um 10h morgens! Im Wartezimmer meines Frauenarztes! Weil ich ein echt wichtiges, politisch motiviertes Posting mit meinem Marla-Bauch bebildert habe! Wie grotesk ist das bitte!?! Hallo?  -- Ich ahnte ja nicht, was mich als nächstes erwarten sollte...) --

Naja, ich war geistig gerade so zwischen Entsetzen und Amusement, als meine Verbindung abbrach, und ich erstmal gar nichts machen konnte.
Später dann habe ich sämtliche Kommentare dieses Profils gelöscht und ihn an die Betreiber des Netzwerks, sowie die Moderatoren des entsprechenden Forums gemeldet. Und jetzt schreib ich das hier öffentlich - da habe ich auch ein bisschen überlegt, ob ich das mache. Aber ich bin zu dem Schluss gekommen: Solche Arschlöcher geistern zuhauf durchs Netz, belästigen Frauen, teilweise junge Mädchen, die sich vielleicht nicht wehren können oder wollen.

Wenn auch nur eine das hier liest: Melde Spinner dieser Art! Zeig sie an! Der Typ, dessen Profil ich hier nicht verlinke, weil ich einfach zu anständig bin, fordert auf seiner Seite sogar eine 17Jährige zum Sex auf! Das geht gar nicht, Freundchen! Du bist ein Arschloch!

Arschloch Nr. 2
Mein Doc. Hätt ich nie gedacht.

Nein, er hat mich nicht belästigt oder so. Nicht, was Du jetzt denkst ;).

Aber diese Sache nimmt mich emotional viel mehr mit. Folgende Situation: Ich war endlich dran und innerlich noch ganz mit diesem Perversen beschäftigt.

Die Untersuchung begann wie immer - meine Schwangerschaft verläuft wie alle anderen auch ohne nennenswerte Komplikationen. Meine Hebamme hatte lediglich bei der letzten Vorsorge ein paar auffällige Venen beobachtet, bzw. ich hab sie gefragt, ob das Krampfadern seien, und sie hatte mir lediglich gesagt, ich solle doch mal den Arzt darauf ansprechen, bzw. zur Sicherheit nach Stützstrümpfen fragen (nicht, dass ich da so scharf drauf wäre; dank des Perversen hatte ich das auch völlig vergessen).

Gewissenhaft wie sie ist, hatte meine Hebamme aber einen Vermerk dazu im Mutterpass gemacht.

So.

Und als ich gerade auf "den Stuhl" geklettert war und vollkommen wehrlos da liege, während ich meine Anderthalbjährige mit Händen und Augen bei Laune halte, pflaumt mich mein Doc an, was denn diese Hebamme sich einbildet in seinem Mutterpass rumzuschmieren.

Er hat noch mehr gesagt, unter anderem, dass ich keine Krampfadern habe. Und viele hässliche Dinge, die die Kompetenz meiner Hebamme in Frage stellen und die sehr beleidigend in ihre Richtung waren.
Das alles während meiner Vaginaluntersuchung!

Das fühlte sich dann vollständig wie eine Vergewaltigung an, ehrlich!
Ich bin immer noch entsetzt und kann den genauen Wortlaut gar nicht widergeben. Ich war so perplex, dass ich leider meinem ersten Impuls - nämlich direkt gehen - leider nicht gefolgt bin!

Ich kann mir immer noch nicht erklären, was er sich dabei gedacht hat. Und es ärgert mich, dass mir in dem Moment nicht die richtige Antwort eingefallen ist. Mir geht es da wie John Lennon: "Schlagfertigkeit ist das, was Dir auf dem Heimweg einfällt" oder so ähnlich.

Ich hatte bis heute nie Probleme mit ihm. Das ist ja nicht die erste Schwangerschaft, die er betreut. Er hatte mir damals sogar kommentarlos meine Rhesus-Spritze für Marlas Geburt verschrieben. Er war immer souverän und fachkompetent, ganz im Gegensatz zu ein paar anderen Frauenärzten, die ich schon kennengelernt hatte.

Und jetzt das! Dieser Vorfall ist in meinen Augen an Arroganz und Respektlosigkeit nicht zu überbieten. Und ja, meine Antwort kommt jetzt etwas spät, aber ich nehme mir halt auch ein bisschen Zeit zum Nachdenken, bevor ich den Mund aufmache oder was schreibe:

Mein lieber Herr Doktor,
bisher haben Sie mich immer fachkompetent beraten. Heute haben Sie bewiesen, dass Ihre Sozialkompetenz schlechter als ungenügend ist. 
Erstens: Es ist MEIN Mutterpass, nicht Ihrer!
Zweitens: Unser Vertrauensverhältnis betrachte ich nach dieser Vorstellung heute als nachhaltig zerrüttet. 
Drittens: Ihr Verhalten und Ihre Worte waren beleidigend und respektlos meiner Hebamme gegenüber und es erzählt mir mehr über Sie als Mensch als über die Kompetenz meiner Hebamme.
Viertens: Mir als Ihrer Patientin gegenüber sind Sie extrem unprofessionell, respektlos und arrogant aufgetreten. Ich werde mich niemals wieder von einem solch widerwärtigen Menschen (vaginal) berühren lassen.

Sie haben nun eine Patientin weniger.

Weil Sie sich selbst als arroganter, frauenverachtender Macho entlarvt haben.

Ich wünsche ansonsten noch einen guten Tag!

Ich möchte noch hinzufügen, dass meine Hebamme sehr gewissenhaft arbeitet und mein Mutterpass speziell in punkto Geburt und Vorsorge von Hebammen IMMER sorgfältiger ausgefüllt wurde als von allen Ärzten zusammen.

Und lesbarer. Soviel zum Thema "im Mutterpass rumschmieren".

Und nu?
Ich habe noch das dritte große Screening, das ein Arzt machen muss. Dafür suche ich mir jemand anderen. Und für die Rhesus-Spritze brauche ich noch ein Rezept, da find ich auch schon jemand. Nächste Woche hab ich ein Vorgespräch im Geburtshaus - nicht mit der heute betroffenen Hebamme, aber mit einer, von der ich glaube, dass sie genau die Richtige ist um das weitere Vorgehen zu beraten.

Aber ich lass mir nicht alles gefallen. Vor zehn Jahren hätte ich sowas vielleicht noch geschluckt. Heute nicht mehr. Und in zehn Jahren hab ich die passende Antwort direkt parat. Man wird ja nicht älter, sondern besser. Ich freu mich drauf! 

PS: Ein Becher Kacka.
Irgendwann am Ende des Tages hab ich alle Kinder gebadet. Irgendeins hat in der Wanne gemacht. Groß. Nicht schön. Keiner wollte es gewesen sein. Und mein Sohn, der kleine Trotzkopf, reichte mir einen Becher und meinte: "Hier Mama, ein Becher Kacka für Dich. Ich hab es aufgesammelt."
Gute Nacht!

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3 Kommentare

  1. Liebe Sonja,

    ich mußte (Entschuldigung) jetzt doch über deinen Beitrag lachen.
    Aber erst am Schluß (geht also noch, oder?)

    Dein Sohn hat wohl den Durchblick schlechthin, hat dir zur Krönung dieses Tages das Handfeste "Kacka" gereicht, damit du es die Toilette runterspülen kannst.
    Nachdem du das ja zwischenzeitlich gemacht hast, betrachte den Tag als erledigt.
    Schaue nach vorne und lass solche Pfeifen einfach hinter dir.

    OK ... bezüglich der "Aufstände der Kinder", da mußt du wohl noch durch so einige Hürden. Allerdings sind die nicht so KRANK wie jene, denen du heute sonst so begegnet bist.

    Einfach nach vorne schauen und ..... vielleicht öfter mal einen Becherinhalt in die Toilette kippen!

    ♥liche Grüße
    Ellen

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  2. Oh, liebe Sonja, das klingt nach einem ganz fiesen Tag! Vor allem als Schwangere solche Begebenheiten noch intensiver auf! Ich finde es übrigens ganz toll und bewundernswert, dass du so offen darüber schreibst!
    Ich wünsche dir, dass alles gut klappt, mit Spritze und Untersuchungen und natürlich auch, dass deine Schwangerschaft weiterhin gut verläuft!

    Dein kleiner Bengel ließ mich auch ein bisschen schmunzeln! Zwar ist ein Becher Kacka nicht gerade das, was man sich am Ende eines solchen Tages wünscht, aber ich schließe mich Ellen´s Meinung an, einen symbolischen Wert, kann man dem Becher ja zuschreiben. Kacka runter spülen und nach vorne sehen.
    Fühl dich gedrückt!
    Susanna

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  3. Vielen Dank euch! Ich bin schon fast drüber hinweg. Gibt ja zum Glück noch mehr Ärzte auf der Welt!

    Lieber Gruß,
    Sonja

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Vielen Dank, dass Du Dir die Zeit zum Kommentieren nimmst!
Ich freue mich irrsinnig über JEDE Rückmeldung!

Leider schaffe ich es derzeit nicht, zeitnah zu antworten oder Gegenbesuche zu starten, aber ich gehe JEDEN einzelnen Kommentar durch, antworte und besuche auch zurück - versprochen!

Lieber Gruß und Danke :)
Sonja

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